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Die Bewohner der
Domstadt sowie aus weiten Teilen von NRW wissen inzwischen, was
sie an ihrem Weihnachtscircus haben. Der steht wieder an der
Messe, quasi eingerahmt von den Auf- und Abfahrten der
Zoobrücke. Im Vorzelt locken viele festlich dekorierte
Sitzgelegenheiten sowie eine umfangreiche Gastronomie. Bezahlt
wird wie gehabt mit Münzen, die an einem entsprechenden Stand
erworben werden können. Im Spielzelt stehen in der Loge drei
Reihen mit Stühlen um die erhöhte Rundbühne. Elf Reihen auf
Klappsitzen bietet das sich anschließende Gradin. Den Abschluss
bilden Balkonlogen.

Chapiteau
des Kölner Weihnachtscircus
Das bewährte
Programmkonzept wird auch zum Jubiläum beibehalten. Den
Schwerpunkt bilden ausgewählte artistische Darbietungen. Ein
paar davon konnten wir hier bereits erleben. Das trifft zudem
auf die einzige Tiernummer zu. Hinzu kommen ein Komiker und das
Ballett. Mit einer Nettospielzeit von rund zweieinhalb Stunden
passt die Länge der Vorstellung, zumal es Schlag auf Schlag
geht. Allerdings ist der erste Teil fast doppelt so lang wie der
zweite. Wie schon 2022/23 gab es beim doppelten Todesrad
Probleme mit dem Requisit. Der entsprechende Act konnte damals
wie jetzt nicht gezeigt werden. Für Ersatz wurde kurzfristig
gesorgt.
 
Duo Day
Light, Crystal Sisters
Das ersten Staunen
ist schon vor dem eigentlichen Start zu vernehmen, wenn der
prachtvoll geschmückte Weihnachtsbaum in der Manegenmitte mal
eben heruntergelassen und hinausgefahren wird. Die Begrüßung
übernimmt mit Markus Köllner ein vertrautes Gesicht. Im Verlauf
des Nachmittags erleben wir den Ringmaster immer wieder in
zumeist kurzen Moderationen. Mit Horizontaljonglagen im
wabernden Nebel eröffnet Emiliano in geheimnisvoller Atmosphäre
die Show. Die folgende Rollschuhakrobatik gibt es gleich im
Doppelpack. Auf jeweils einer runden Plattform dürfen das Duo
Day Light und das Duo Rock'n'Roll ihre Künste zeigen. Mal werden
parallel die gleichen Tricks gezeigt, zumeist aber arbeitet ein
Paar, während das andere das Anfeuern übernimmt. So erleben wir
fast ohne Pause rasante Akrobatik mit einem guten Schuss
Nervenkitzel. Die sechs Tänzerinnen des Balletts sorgen sodann
für Entspannung. Marina und Svetlana Tsodikov waren mit ihren
Antipodenspielen vor unzähligen Jahren etwa bei Knie und
Roncalli engagiert. Nun sind die Crystal Sisters mit ihren
Jonglagen von edlen Teppichen wieder bei uns zu erleben. Die
dynamische Nummer läuft noch genauso grandios ab, wie ich das in
Erinnerung hatte. In immer neuen Varianten lassen sie die
Quadrate aus Stoff auf Armen und Beinen tanzen. Beim
Schlusstrick ruht eine der Schwestern sogar mit der Schulter auf
einem Fuß der anderen, während sie die Teppiche kreisen lassen.

Fraser
Hooper
Dann hat Fraser
Hooper seinen ersten Auftritt. Auf der Suche nach einem
passenden Komiker für die Show sind die Produzenten in
Neuseeland fündig geworden, wenngleich Fraser bereits zuvor in
Europa aufgetreten ist. Der macht sich gleich ein wenig
„unbeliebt“, denn er kommt zu spät und muss durch die ganze
Zuschauerreihe durch. An sich kein Problem. Aber Fraser trägt
einen riesigen Rucksack auf dem Rücken. Auf der Bühne treibt er
seinen Schabernack mit einem Jungen aus dem Publikum. Ein Herr
wird immer wieder auf die Spielfläche gebeten und weggeschickt.
Der Komiker kommt ordentlich angezogen daher. Unter anderem mit
Sakko und Hut. Aber in ihm steckt der Schalk eines Kindes. Und
den lebt er sehr kreativ aus. Etwa, wenn er einer
ferngesteuerten Ente zu ihrem Teich verhilft, den er aus einem
Seil formt. Plätschergeräusche aus dem Off komplettieren die
Imagination der Badegelegenheit. Die Ente bekommt sodann
Gesellschaft von Zuschauern, die Hüte mit Quietscheenten
aufgesetzt bekommen. Beim Spiel mit einem großen Ballon bringt
Fraeser Hooper das Publikum in Bewegung. Seine größte Szene
bildet der Boxkampf mit Gästen. Es sind bekannte Gags dabei,
aber auch viele neue. Erneut spielen Geräusche eine wichtige
Rolle. Eine Dame bekommt ein Bedienpult, mit dem sie die Schläge
synchronisieren und die Ringglocke bedienen darf. Es ist ein
herrlicher Spaß, der mit vielen Lachsalven vom Zuschauerraum
goutiert wird. Fraser hat einen wunderbare Humor, eine tolle
Mimik und ist versiert im Umgang mit seinen Mitspielern. Ein
sympathischer Zeitgenosse durch und durch. Einzig ein wenig
Straffung täte seinen Auftritten gut.
  
Chu
Chuan-Ho, Leonid Beljakov, Anton Monastyrsky
Diabolo-Wirbelwind
Chu Chuan-Ho war mit dem Circus Krone auf Sommersaison und ist
zum Jahresabschluss nach drei Jahren nach Köln zurückgekehrt.
Bis zu drei der Doppelspulen hält der Jongleur aus Taiwan
gleichzeitig in Bewegung. Das sogar im Spagat. Fast noch
faszinierender ist das Spiel mit einem seiner Requisiten. Dieses
schickt er auf wirklich abgefahrene Touren. Ganz und gar nicht
auf Action aus ist hingegen der Boxer von Leonid Beljakov.
„Nein, heute nicht!“ von den Höhnern bildet die passende
Begleitmusik. Der Hund ist schwer dazu zu bewegen, seine
Kunststücke zu zeigen. Er wirkt lethargisch und muss schon sehr
gebeten werden, etwa einen Ball auf der Schnauze zu balancieren.
Genau das ist natürlich so gewollt und minutiös einstudiert.
Eine geniale Hundekomödie, an der am Ende noch ein zweites Tier
mitwirkt. Das Ballett leitet über zu Anton Monastyrsky. Mit Hula
Hoop ist seine Disziplin nur unzureichend beschrieben. Er hat
sich eine ganz eigenständige Darbietung erarbeitet, bei der er
Reifen um die verschiedensten Körperteile kreisen lässt. Dies
etwa auch dann, wenn er einen Handstand macht. Dabei kommt ihm
seine enorme Beweglichkeit zugute. In Summe erleben wir eine
durchgehende Choreographie.
  
Konstantin
Muraviev, Duo Day Light, Truppe Yakubovskii
Wie man in wenigen
Minuten die Problemzonen am Bauch abtrainiert, beweist sehr
anschaulich Konstantin Muraviev. Was mit Bändergymnastik nicht
funktioniert, gelingt umso besser mit dem Rhönrad. Die
akrobatischen Touren daran sorgen dafür, dass das Fett im Nu
verschwindet. Leider kehrt es postwendend nach einigen kräftigen
Schluck Bier zurück. Vielleicht bringt da Luftakrobatik einen
nachhaltigeren Erfolg. Den Eindruck zumindest bekommt man, wenn
man die trainierten Körper von Anna Stelmakh und Evgeny
Slepukhin sieht. Sie bilden das Duo Day Light, das wir zu Beginn
der Vorstellung auf Rollschuhen erleben durften. Nun geht es für
die beiden Richtung Kuppel. Anna startet mit Zopfhang und lässt
dabei effektvoll ihren weißen Umhang zu Boden fallen. Dann folgt
eine anspruchsvolle und durchaus riskante Kür an den Strapaten.
So hält er sie an ihrem Fuß etwa nur mit seinem eigenen fest.
Bei den gemeinsamen Umschwüngen an den Bändern klammert sich
Anna Stelmakh an ihren Partner. Der Wirbel im doppelten Zahnhang
beschließt diese traumhafte Sinfonie in weiß. Evgeny Slepukhin
konnten wir übrigens beim European Youth Circus 2016 erleben.
Damals als Schlafwandler auf dem Schlappseil. Kurzfristig
eingesprungen ist die Truppe Yakubovskii. Mit seinen Sprüngen
auf zwei Trampolinen mit Plattform in der Mitte steuert das
Sextett die Pausennummer bei. Der besondere Clou dabei ist, dass
die variantenreichen Sprünge in mit LEDs besetzten Kostümen
inklusive Helm vollführt werden. So ergeben sich futuristische
Effekte.
  
Genia
Tykhonkov, Duo Butterfly, Truppe Zunay
Ganz traditionell
startet der zweite Teil. Die Truppe Zunay nimmt uns mit in ihre
chinesische Heimat. In folkloristischen Kostümen jonglieren
deren Mitglieder mit schweren Tonkrügen und balancieren sie auf
ihren Köpfen. Wobei dies letztendlich nur zwei der Artisten tun.
Die weiteren Akteure bilden den choreographischen Rahmen und
agieren mit kleineren Schüsseln. Den zweiten Beweis, dass
Luftakrobatik zu einem Traumbody führt, tritt Genia Tykhonkov
an. Seine Darbietung am Flying Pole ist kraftvoll, trickstark
und nicht ungefährlich. Doch der blendend aussehende Artist hat
alles bestens im Griff. Ganz gleich, ob er sich mit den Händen
oder den Beinen an der Stange hoch über der Bühne in
akrobatischen Posen festhält, alles sieht traumhaft sicher aus.
Beim letzten Kunststück fliegen Schneeflocken um ihn herum. Am
Boden bleibt das Duo Butterfly aus China. Bei ihrer
Partnerakrobatik wechseln sie sich die beiden mit der tragenden
Rolle ab. Hier verschmelzen sehr ästhetisch Handstandakrobatik
und Kontorsion. Effektvoll in Szene gesetzt auf einer runden
Plattform inmitten von Bühnennebel. Nach einer Choreographie des
Balletts in Kimonos und mit Fächern erleben wir noch einmal die
Truppe Zunay. Nun mit einer Kombination aus Schleuderbrett und
Ikarischen Spielen. Die zugehörige Trinka befindet sich über der
Mittelachse der Wippe. Die Flieger werden mittels Schleuderbrett
in die Höhe katapultiert und landen nach akrobatischen Sprüngen
auf den Füßen eines Partners, von dem sie weiter durch die Luft
gewirbelt werden. Wir erleben unter anderem eine Art Passage und
einen Zwei-Mann-Hoch auf den Füßen eines Untermannes. Das Finale
wird von den Tänzerinnen in noch einmal neuen, wunderschönen
Kostümen eröffnet. Überhaupt haben sie mit ihren
abwechslungsreichen Tänzen über den Nachmittag verteilt
reizvolle Akzente gesetzt. Es folgt ein ausführlicher Abschied
mit dem gesamten Ensemble. Die Schlussworte übernimmt Markus
Köllner. |