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GOP Bad Oeynhausen - "Formidable"
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Bad Oeynhausen, 22. März 2025: Sieben feste Varietéhäuser betreibt die GOP-Gruppe, und die meisten ihrer Produktionen wechseln im Zweimonatsrhythmus von einem Theater zum anderen. Für den Standort im Kaiserpalais von Bad Oeynhausen tat sich dagegen für das Frühjahr 2025 eine Lücke im Spielplan auf, die mit einer einmaligen Show gefüllt werden sollte. Casting- und Booking-Mitarbeiter Simon Preißing gelang es, für diesen Zeitraum – nach den Weihnachtscircus-Produktionen, vor dem Beginn der Sommersaison – ein exquisites Ensemble zusammenzustellen. Viele der von ihm ausgewählten Künstler sind aus großen Circusshows bekannt.

Und so wird die Show mit dem Titel „Formidable“ (deutsch: „Beeindruckend“) nicht zu Unrecht als eine „Auswahl der Besten, die an der Weltspitze der Zirkuskunst stehen und mit ihren Auszeichnungen von China bis Monte Carlo internationale Triumphe feiern konnten“ angekündigt. Der Circus-Bezug dieser Show kommt nicht von ungefähr, denn Simon Preißing kennt sich – außer im Varieté – auch in dieser Welt bestens aus und war vor seiner Tätigkeit bei GOP-Showkonzept auch als Redaktionsmitglied unseres Online-Magazins bekannt.


GOP im Kaiserpalais Bad Oeynhausen: Außenansicht, Theatersaal, Foyer

Das Kaiserpalais in Bad Oeynhausen, im Nordosten von Nordrhein-Westfalen gelegen, bietet gewiss auch den richtigen Rahmen für eine erlesene Varietéshow. Der Bau wurde 1908 als mondänes Kurhaus eröffnet, außen einem barocken Schloss und innen der Pariser Oper nachempfunden. Der große Theatersaal und das Foyer vereinen Elemente des Neoklassizismus, des Jugendstils sowie des Neobarocks. Säulen, Stuckmarmor, stoffbespannte Wände sowie Stuck- und Kassettendecken bieten ein prachtvolles Flair. Im Gebäude und in dem modernen Anbau sind zudem zwei Restaurants und die Discothek Adiamo Danceclub untergebracht. So sind alle Voraussetzungen für einen wunderbaren Varieté-Abend geschaffen.


Skating Donnerts, Nancy Stauberti, Alexey Mironov und Andrey Jigalov

Nach einem kompakten Opening mit dem größten Teil des Ensembles geht es gleich in die Vollen, denn Ryan Donnert und Partnerin Anna Szésényi begeistern uns auf äußerst rasante Weise mit ihren Rollschuhkünsten. „Don’t stop me now“ liefert die musikalische Begleitung zum Beginn, und tatsächlich könnte wohl keiner diese jungen Artisten aufhalten. Ihr Repertoire gipfelt in einer echten Rarität, dem Wirbel der Partnerin im Zahnhang. Von diesem gelangen wir zum Zopfhang, denn Nancy Stauberti präsentiert uns dieses recht selten gezeigte Genre, beeindruckt dabei in kontorsionistischen Figuren mit ihrer Beweglichkeit, außerdem mit verschiedenen Wirbeln. Das prägende Gesicht der Show ist der russische Komiker Andrey Jigalov in seiner Paraderolle als echter Fiesling. Ziel seiner Attacken ist Bühnenpartner Alexey Mironov. Während dieser sein Können als großer Querflötist beweisen will, schüttet Jigalov ihm Wasser in den Zylinder. Doch als Mironov diesen auf seinen Kopf setzt, bleibt sein Schädel überraschenderweise trocken. Wenn Jigalov den Zylinder-Trick im Selbstversuch nachmachen möchte, wird er natürlich richtig nass. Schlussendlich muss auch Partner Alexey Mironov mit einer Ladung Wasser über dem Kopf leben. Damit setzt die Regie (Ulrich Thon) Jigalovs bekannteste Nummer ungewöhnlicherweise an den Beginn der Vorstelllung. „Walking at the Carwash“ heißt es musikalisch, wenn das Ensemble die Bühne tanzend trocken wischt.


Pranay Werner, Alexander Mitin, Rubel Medini

Zunächst ganz cool mit Lederjacke und Sonnenbrille, dann elegant mit Hose, Hemd und Weste lässt Pranay Werner bis zu drei Diabolos durch die Luft fliegen oder um sein ausgestrecktes rechtes Bein kreisen. Abschließend schickt er beleuchtete Diabolos auf Reisen über die abgedunkelte Bühne. Mit seinem sympathischen Lächeln hat er das Publikum schnell auf seiner Seite. Heiter ist das Zwischenspiel von Andrey Jigalov mit Riesenbrille und Alexey Mironov mit Violine; ernst dagegen geht es zu bei der Handstand-Equilibristik von Alexander Mitin. Ganz in Schwarz und in einem einzigen Fluss der Bewegungen demonstriert der junge Mann seine hohe Flexibilität und erntet sehr starken Applaus. 2018 war er noch Preisträger beim European Youth Circus in Wiesbaden. Andrey Jigalov wiederum möchte einen Bumerang durchs Theater fliegen lassen und trifft am Ende – vermeintlich – einen Requisiteur am Kopf. Ein Volltreffer dagegen ist die Rola-Rola-Nummer von Rubel Medini, den wir im vergangenen Winter im Ravensburger Weihnachtscircus erleben durften. Wenn der junge Italiener mit der gewinnenden Ausstrahlung auf einem Turm aus sieben Bänken oder auf einer fragilen Konstruktion aus sieben teils liegenden, teils stehenden Zylindern balanciert, geht das Publikum begeistert mit. Für die Überleitung zur Pause sorgen Jigalov und Mironov.


Yahav Adar, Ensemble, Duo Ice

Alexey Mironov steht auch im Mittelpunkt eines Ensembletanzes, mit dem die zweite Hälfte eröffnet wird. Hier freuen wir uns über ein Wiedersehen mit Yahav Adar, deren Cyrrad-Nummer wir beim European Youth Circus im vergangenen Herbst kennen lernten. In langen Passagen dreht sich die gebürtige Israelin geradezu ekstatisch über die Spielfläche, sich mal nur mit einer Hand haltend, mal nur an den angewinkelten Armen am Reif hängend. Die Atmosphäre ist weiterhin intensiv, wenn Jenny Kastein und Danil Biriukov alias Duo Ice mit den Mitteln der Equilibristik eine aufregende Liebesgeschichte erzählen. Während sie dies bei Flic Flac im Regen aus der Zeltkuppel taten, agieren sie hier auf dem Trockenen. Dennoch bleibt die sinnliche Wirkung der Nummer erhalten, in der Jenny Kastein zwischendurch die tragende Rolle übernimmt und am Ende auf einem Bein auf dem Kopf ihres Partners steht. Nun ist es wieder Zeit für etwas Entspannung, und diese bietet Andrey Jigalov, wenn er auf verschiedene Weisen unterschiedliche Selfie-Positionen testet.


Olga Boiko, Duo Stauberti, Andrey Jigalov

Auf eine Cocktailparty-Szene mit dem Ensemble folgt ein weiteres artistisches Glanzlicht. Luftring-Nummern gibt es zwar unendlich viele, aber nur wenige erreichen die Qualität der Darbietung von Olga Boika. Sie zeichnet sich durch außerordentliche Rasanz aus, hier bei den Rotationen in der Luft, für welche die Ukrainerin den gesamten zur Verfügung stehenden Raum nutzt. Darüber hinaus besitzt sie eine ungeheure Ausdrucksstärke. Da wundert es nicht, dass sie damit in den vergangenen Jahren auch für die gigantischen Weltweihnachtscircus-Produktionen in Stuttgart und Amsterdam verpflichtet wurde. Jubel und anerkennende Pfiffe belegen die Anerkennung des Bad Oeynhausener Publikums. Den akrobatischen Höhepunkt erreicht die Show mit dem Auftritt des Duos Stauberti an der Perche. Es ist schon sehr überraschend, diese enorme Raumhöhe erfordernde Darbietung in einem Gebäude anstatt in einem Circuszelt bewundern zu dürfen. Auch wenn der Theatersaal über eine sehr hohe Bühne verfügt, muss Dimtri Stauberti auf einem Stuhl Platz nehmen, wenn seine Nichte Nancy am oberen Ende einer Stirnperche im Kopfstand steht und eine Stange mit Kugeln am Ende auf ihren Füßen kreisen lässt. Spektakulär ist auch der einmalige Schlusstrick, bei dem er auf dem Einrad fährt, während sie einen Handstand am anderen Ende der Stirnperche drückt. Wie Alexey Mironov stilvoll „My Way“ interpretieren will und dabei von Andrey Jigalov immer wieder gestört wird, das ist Thema der letzten, herrlichen Comedy-Szene dieser Vorstellung.

„Formidable“ ist dieses Varietéprogramm, so beeindruckend und erfolgreich, dass es nun doch nicht bei einer einmaligen Spielzeit im Kaiserpalais von Bad Oeynhausen bleibt. Vielmehr hat die GOP-Gruppe es für den kommenden Winter auf den Spielplan im Stammhaus in Hannover gesetzt. Da dieses starke Cast naturgemäß nicht vollständig zur Verfügung stehen wird, werden die Darbietungen der Skating Donnerts, der Staubertis und von Rubel Medini ersetzt durch Pavel Roujilo mit seinen Jonglagen sowie Eric Seeger mit Rope Skipping.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll