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„Mundial“ klingt „groß“ und
international, ohne eine Tradition aufleben lassen zu wollen,
die für das Zielpublikum gar keine Rolle spielt. Zum
Saisonbeginn wurde das schöne, rot-weiße Viermast-Chapiteau mit
passendem Vorzelt auf der Püntwiese in Uster aufgeschlagen.
  
Planen-Auflieger, Kasse
und Zeltanlagen des Circus Mundial
Auf seiner Spitze trägt es die
goldene Krone, die einst das Spielzelt des Circus Royal
schmückte, der ziemlich genau 63 Jahre zuvor seine Weltpremiere
an gleicher Stelle hatte. Eine neue „Mundial“-Leuchtschrift auf
dem bekannten roten Kassenwagen, Planen-Auflieger mit dem
Unternehmensnamen, bedruckte Tafeln im Frontzaun sowie
flatternde Fahnen mit dem Plakatmotiv und dem Programm-Motto
„Salto Mortale“: Es wird schon deutlich, dass die Franks es
ernst meinen mit ihrem neuen Projekt.
 
Orchester, Ballett
Auch die Personalien
unterstreichen diesen Anspruch: Für Pressearbeit und
Tourneeplanung wurde der jahrzehntelang erfahrene Circusmanager
Laurens Thoen gewonnen, der auch mitreist. Zudem wurde ein
hervorragendes siebenköpfiges Orchester aus Polen verpflichtet.
Es wird auf einem halbhohen Podium vor der roten Gardine ins
direkte Blickfeld gerückt, was auch der Bedeutung von Livemusik
für ein gelungenes Circuserlebnis gerecht wird. Mit dem
großartigen, druckvollen Spiel der Musiker unter der Leitung von
Jerzy Skalski wird die Show enorm aufgewertet. Die uns bestens
vertrauten Darbietungen der Direktion Frank und der bei ihr
langjährig engagierten Artistenfamilie Tonitos entdecken wir in
diesem Setting ganz neu. In einem traditionellen Charivari zu
Marschmusik zeigen Mitglieder des Ensembles Kostproben ihres
Könnens, beispielsweise mit Jonglage und Partnerakrobatik. Vier
Damen in blau-weißen Federschmuck-Kostümen agieren als Ballett.
Direktor Gino Frank spricht engagiert die Begrüßungsworte.
  
Oleksandr Mak-Frank,
Joaquim Zuniga Sepuveda, Gino Frank und Mosquito
Bei seinen Auftritten stets mit
vollem Herzen bei der Sache ist Oleksandr Mak-Frank, doch zur
Live-Musik und bestens gefüllten Zuschauerreihen erscheint er
diesmal noch motivierter, noch strahlender. Mit blauer Hose und
freiem Oberkörper zelebriert der junge Mann kraftvolle Posen und
gewagte Abfaller an den Strapaten, wickelt sich betont langsam
auf und ab. Da noch ein akrobatisches Trio in der Show vertreten
ist, belässt er es diesmal bei einem Act und verzichtet auf
seine Handstandnummer. Joaquim Zuniga Sepuveda ist ein junges,
vielversprechendes Talent auf dem Drahtseil. Im spanischen Stil,
mit rot-schwarzem Torrero-Kostüm und Hut, überzeugt er mit
seinem sympathischen Auftreten und Tricks wie Pirouette,
Reifensprung, Seilspringen, Barrieresprung und (etwas
unsicherem) Rückwärtssalto. Zum Abschluss springt er durch einen
mit Messern gespickten Reifen. Für die Clownerie wurde ein
bekannter Name verpflichtet, Mosquito aus Mexiko. Er spielt
schon im Opening Saxofon, interagiert später beim Glockenspiel
mit dem Publikum und hat seinen ganz großen Auftritt beim
Musizieren, das ihm Direktor Gino Frank verbieten möchte. Auch
das Orchester und Oleksandr Mak-Frank, der mit Mosquito ein
Tänzchen wagt und ihn letztendlich aus der Manege trägt, sind in
diese fröhliche Szene eingebunden.
  
Latoya Mak-Frank, Duo
Madison, Walery und Anastasiia
Es ist heute fast schon eine
Rarität, wieder einmal eine traditionelle Vertikalseilnummer zu
erleben. Hier hat sich Latoya Mak-Frank für dieses Genre
entschieden. Dabei wagt sie verschiedene rasante Wirbel an
Schlaufen, dies auch kopfüber und im Flitterregen. Zu den
stärksten Nummern der Show gehören die Antipodenspiele von
Marisa Tonito und ihrer Tochter Madison als Duo Madison. Dabei
werden von Marisa Tonito fünf große Bälle mit den Füßen
jongliert und von Madison Tonito vier Teppiche kreisen gelassen.
Marisa Tonito bugsiert einen Ball über fünf Plattformen an einer
Metallstange in den Korb am oberen Ende. Die Stange ist an ihren
Füßen befestigt. Gemeinsame Sache machen Mutter und Tochter beim
Schlusstrick. Madison steht im Schulterstand auf den Füßen von
Marisa Tonito. So lassen beide gemeinsam fünf Teppiche auf
Händen und Füßen fliegen. Eigentlich erwarten wir nun bereits
die Pause, doch es schließen sich Mosquitos Popcorn-Reprise und
die BMX-Nummer von Walery und Anastasiia an. Beide sind auch
im echten Leben ein Paar. Ihre charmante Lovestory dreht sich um
einen Flirt auf einer Parkbank. Dabei beeindruckt er sie mit
seinem Können auf dem Rad. Spektakulär ist beispielsweise der
Sprung von der rechten Armlehne zur linken, über die komplette
Länge der Bank, auf der sie ausgestreckt liegt. Ebenso springt
er auf dem BMX beispielsweise von der Rückenlehne der Bank auf
eine seitlich angebrachte Laterne.
  
Aida Brothers,
Guilherme Sepuveda und Nathalia Stankowich
Den zweiten Programmteil eröffnen
die drei „Aida Brothers“ aus Marokko. In der relativ kompakten
Darbietung zeigen sie verschiedene Figuren der Partnerakrobatik,
beispielsweise eine einarmige Handstandwaage auf dem Kopf des
Untermannes, der zugleich mit nur einem Arm den dritten Partner
in der Luft hält. Gemeinsam mit zwei Herren aus dem Publikum als
Sparringspartnern und einer Zuschauerin als Ringrichterin bringt
Mosquito ein vergnügliches Box-Entree in die Manege. Die
Geschichte pendelt zwischen Aufforderungen, „brutaler“ zu Werke
zu gehen und einem gemeinsamen Tänzchen anstelle von Schlägen
mit dem Boxhandschuh. Auch die Groß-Illusionen der Tonitos
dürfen im Programm nicht fehlen. So wird Madison Tonito dem
Anschein nach von spitzen, brennenden Speeren in einer Kiste
durchbohrt, entsteigt dieser aber unversehrt – gefolgt von drei
weiteren Damen. Als Illusionistin agiert Marisa Tonito, die
letztendlich vor den Augen ihrer Assistentinnen und natürlich
des gesamten Publikums aus einer schwebenden Box entschwindet.
In seiner letzten Szene möchte Mosquito gemeinsam mit dem
Publikum musizieren. Die eigentlich vorgesehene Hauptattraktion
des Programms – das Flugtrapez der Flying Zuniga – kann beim
Gastspiel in Uster verletzungsbedingt leider nicht gezeigt
werden. Dennoch erleben wir Fänger Guilherme Sepuveda und
Nathalia Stankowich in einer Kunstschützennummer mit der
Armbrust. Zunächst zerschießt er Luftballons, die die Partnerin
hält – mal mit dem Mund, mal mit der Hand. Dies gelingt ihm auch
„blind“ und über den Rücken, während Nathalia Stankowich ihn mit
der Stimme dirigiert. Spektakulär auch der Schlusstrick, bei dem
er mehrere Armbrüste über mehrere Stationen auslöst und sich
letztlich selbst einen Apfel vom Kopf schießt. |