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Circus Mundial - Tour 2026
https://circus-mundial.ch ; 125 Showfotos

Uster, 14. März 2026. Nock, Royal und andere Schweizer Circusunternehmen sind seit Jahren nicht mehr auf Tournee. Damit ist neben Branchenprimus Knie ein Vakuum entstanden, eine Marktlücke für einen größeren Reisecircus traditioneller Prägung. In diese Lücke zu stoßen versucht 2026 die Familie von Gino Frank aus Deutschland. Sie setzt ihre Hoffnung nicht nur auf eine Auslandstournee, sondern auch auf die Bedeutung eines klangvollen Namens für den Betrieb. Nach den vorangegangenen Versuchen in diese Richtung scheint mit „Circus Mundial“ die bisher überzeugendste Variante gefunden.

„Mundial“ klingt „groß“ und international, ohne eine Tradition aufleben lassen zu wollen, die für das Zielpublikum gar keine Rolle spielt. Zum Saisonbeginn wurde das schöne, rot-weiße Viermast-Chapiteau mit passendem Vorzelt auf der Püntwiese in Uster aufgeschlagen.


Planen-Auflieger, Kasse und Zeltanlagen des Circus Mundial

Auf seiner Spitze trägt es die goldene Krone, die einst das Spielzelt des Circus Royal schmückte, der ziemlich genau 63 Jahre zuvor seine Weltpremiere an gleicher Stelle hatte. Eine neue „Mundial“-Leuchtschrift auf dem bekannten roten Kassenwagen, Planen-Auflieger mit dem Unternehmensnamen, bedruckte Tafeln im Frontzaun sowie flatternde Fahnen mit dem Plakatmotiv und dem Programm-Motto „Salto Mortale“: Es wird schon deutlich, dass die Franks es ernst meinen mit ihrem neuen Projekt.


Orchester, Ballett

Auch die Personalien unterstreichen diesen Anspruch: Für Pressearbeit und Tourneeplanung wurde der jahrzehntelang erfahrene Circusmanager Laurens Thoen gewonnen, der auch mitreist. Zudem wurde ein hervorragendes siebenköpfiges Orchester aus Polen verpflichtet. Es wird auf einem halbhohen Podium vor der roten Gardine ins direkte Blickfeld gerückt, was auch der Bedeutung von Livemusik für ein gelungenes Circuserlebnis gerecht wird. Mit dem großartigen, druckvollen Spiel der Musiker unter der Leitung von Jerzy Skalski wird die Show enorm aufgewertet. Die uns bestens vertrauten Darbietungen der Direktion Frank und der bei ihr langjährig engagierten Artistenfamilie Tonitos entdecken wir in diesem Setting ganz neu. In einem traditionellen Charivari zu Marschmusik zeigen Mitglieder des Ensembles Kostproben ihres Könnens, beispielsweise mit Jonglage und Partnerakrobatik. Vier Damen in blau-weißen Federschmuck-Kostümen agieren als Ballett. Direktor Gino Frank spricht engagiert die Begrüßungsworte.


Oleksandr Mak-Frank, Joaquim Zuniga Sepuveda, Gino Frank und Mosquito

Bei seinen Auftritten stets mit vollem Herzen bei der Sache ist Oleksandr Mak-Frank, doch zur Live-Musik und bestens gefüllten Zuschauerreihen erscheint er diesmal noch motivierter, noch strahlender. Mit blauer Hose und freiem Oberkörper zelebriert der junge Mann kraftvolle Posen und gewagte Abfaller an den Strapaten, wickelt sich betont langsam auf und ab. Da noch ein akrobatisches Trio in der Show vertreten ist, belässt er es diesmal bei einem Act und verzichtet auf seine Handstandnummer. Joaquim Zuniga Sepuveda ist ein junges, vielversprechendes Talent auf dem Drahtseil. Im spanischen Stil, mit rot-schwarzem Torrero-Kostüm und Hut, überzeugt er mit seinem sympathischen Auftreten und Tricks wie Pirouette, Reifensprung, Seilspringen, Barrieresprung und (etwas unsicherem) Rückwärtssalto. Zum Abschluss springt er durch einen mit Messern gespickten Reifen. Für die Clownerie wurde ein bekannter Name verpflichtet, Mosquito aus Mexiko. Er spielt schon im Opening Saxofon, interagiert später beim Glockenspiel mit dem Publikum und hat seinen ganz großen Auftritt beim Musizieren, das ihm Direktor Gino Frank verbieten möchte. Auch das Orchester und Oleksandr Mak-Frank, der mit Mosquito ein Tänzchen wagt und ihn letztendlich aus der Manege trägt, sind in diese fröhliche Szene eingebunden.


Latoya Mak-Frank, Duo Madison, Walery und Anastasiia

Es ist heute fast schon eine Rarität, wieder einmal eine traditionelle Vertikalseilnummer zu erleben. Hier hat sich Latoya Mak-Frank für dieses Genre entschieden. Dabei wagt sie verschiedene rasante Wirbel an Schlaufen, dies auch kopfüber und im Flitterregen. Zu den stärksten Nummern der Show gehören die Antipodenspiele von Marisa Tonito und ihrer Tochter Madison als Duo Madison. Dabei werden von Marisa Tonito fünf große Bälle mit den Füßen jongliert und von Madison Tonito vier Teppiche kreisen gelassen. Marisa Tonito bugsiert einen Ball über fünf Plattformen an einer Metallstange in den Korb am oberen Ende. Die Stange ist an ihren Füßen befestigt. Gemeinsame Sache machen Mutter und Tochter beim Schlusstrick. Madison steht im Schulterstand auf den Füßen von Marisa Tonito. So lassen beide gemeinsam fünf Teppiche auf Händen und Füßen fliegen. Eigentlich erwarten wir nun bereits die Pause, doch es schließen sich Mosquitos Popcorn-Reprise und die BMX-Nummer von Walery und Anastasiia an. Beide sind auch im echten Leben ein Paar. Ihre charmante Lovestory dreht sich um einen Flirt auf einer Parkbank. Dabei beeindruckt er sie mit seinem Können auf dem Rad. Spektakulär ist beispielsweise der Sprung von der rechten Armlehne zur linken, über die komplette Länge der Bank, auf der sie ausgestreckt liegt. Ebenso springt er auf dem BMX beispielsweise von der Rückenlehne der Bank auf eine seitlich angebrachte Laterne.


Aida Brothers, Guilherme Sepuveda und Nathalia Stankowich

Den zweiten Programmteil eröffnen die drei „Aida Brothers“ aus Marokko. In der relativ kompakten Darbietung zeigen sie verschiedene Figuren der Partnerakrobatik, beispielsweise eine einarmige Handstandwaage auf dem Kopf des Untermannes, der zugleich mit nur einem Arm den dritten Partner in der Luft hält. Gemeinsam mit zwei Herren aus dem Publikum als Sparringspartnern und einer Zuschauerin als Ringrichterin bringt Mosquito ein vergnügliches Box-Entree in die Manege. Die Geschichte pendelt zwischen Aufforderungen, „brutaler“ zu Werke zu gehen und einem gemeinsamen Tänzchen anstelle von Schlägen mit dem Boxhandschuh. Auch die Groß-Illusionen der Tonitos dürfen im Programm nicht fehlen. So wird Madison Tonito dem Anschein nach von spitzen, brennenden Speeren in einer Kiste durchbohrt, entsteigt dieser aber unversehrt – gefolgt von drei weiteren Damen. Als Illusionistin agiert Marisa Tonito, die letztendlich vor den Augen ihrer Assistentinnen und natürlich des gesamten Publikums aus einer schwebenden Box entschwindet. In seiner letzten Szene möchte Mosquito gemeinsam mit dem Publikum musizieren. Die eigentlich vorgesehene Hauptattraktion des Programms – das Flugtrapez der Flying Zuniga – kann beim Gastspiel in Uster verletzungsbedingt leider nicht gezeigt werden. Dennoch erleben wir Fänger Guilherme Sepuveda und Nathalia Stankowich in einer Kunstschützennummer mit der Armbrust. Zunächst zerschießt er Luftballons, die die Partnerin hält – mal mit dem Mund, mal mit der Hand. Dies gelingt ihm auch „blind“ und über den Rücken, während Nathalia Stankowich ihn mit der Stimme dirigiert. Spektakulär auch der Schlusstrick, bei dem er mehrere Armbrüste über mehrere Stationen auslöst und sich letztlich selbst einen Apfel vom Kopf schießt.

Zum Finale marschiert das Ensemble mit bunten Luftballons in die Manege, das Publikum applaudiert begeistert. Auch ohne das Flugtrapez erleben wir hier – wie erwähnt auch besonders dank der tollen Livemusik – einen kurzweiligen Circusabend, der richtig viel Spaß macht. Und so ist der Familie von Gino Frank nur zu wünschen, dass ihr Plan erfolgreich sein wird, einen neuen, größeren Reisecircus in der Schweiz zu etablieren.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll