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Zirkus Charles Knie - Tour 2025
www.zirkus-charles-knie.de ; 177 Showfotos

Limburg, 12. Juli 2025: Welch ein Ensemble, welche eine Show! Zum glanzvollen Finale reißt es auch an diesem Nachmittag das Publikum von den Sitzen. Nicht ganz drei Stunden lang, Pause inklusive, durften die Zuschauer eine einzigartige Reise durch die circensische Wasserwelt des Zirkus Charles Knie unternehmen. Bei der haben die Produzenten einfach alles richtig gemacht. Für den artistischen Part sind gleich zwei große Formationen sowie mehrere Solokünstler und Duos verantwortlich. Alle sind, und das macht den Unterschied, Artistenpersönlichkeiten. Dazu zwei attraktive Tiernummern und ein junger Clown, der immer besser in seine Rolle findet.

Das alles wird stark verpackt und zu einer ungemein mitreißenden Show inszeniert. Die Musik ist zumeist sehr modern, das Lichtdesign unterstützt bestens. Für die Ballettszenen stehen professionelle Tänzerinnen und Tänzer zur Verfügung. Zudem wurden neue prächtige Kostüme angeschafft. Der Ablauf ist dank der perfekten Arbeit der Requisiteure fließend, flotte Kommentare aus dem Off geben dem Ganzen einen gewissen Rahmen. Das i-Tüpfelchen bilden die Wasserspiele, die immer wieder für faszinierende Effekte sorgen. Der wesentliche Kopf dieser Produktion ist einmal mehr Marek Jama.


Zirkus Charles Knie in Limburg

Dafür, dass auch diese Vorstellung bei hohen Außentemperaturen bestens besucht ist, sorgen nicht nur die Show selbst und die hervorragend funktionierende Klimaanlage im Chapiteau, sondern ganz besonders die Menschen, die im Management tätig sind. Mehrheitlich arbeiten sie im luxuriösen Bürowagen, der Teil der einladenden Front ist. Denn was nutzt die schönste Vorstellung, wenn sie nicht professionell vermarktet wird? Die bestens orchestrierten kaufmännischen Aktivitäten dieses Unternehmens sind mindestens ebenso wichtig wie die Show. Die Homepage führt das zugehörige Team auf. Da ist natürlich Direktor Sascha Melnjak, der seinen Zirkus Charles Knie mit großer Leidenschaft erfolgreich führt. Hinzu kommen Holger Fischer als Assistent der Geschäftsleitung sowie Marketing- und Tourneeleiter Thorsten Brandstätter. Als „Leiter Gastronomie und Merchandising“ wird Mirjan Mavriqi geführt. Doch es ist allgemein bekannt, dass der langjährigste Mitarbeiter im Team viele weitere Funktionen hat. Seine Frau Egla sorgt an der Kasse dafür, dass alle Besucher zum bestmöglichen Sitzplatz kommen.


Blick ins Chapiteau bei den Wasserspielen

Der Weg dorthin führt durch die Gastronomie. Diese lädt zum Verweilen ein. Was anderswo eine leere Worthülse ist, stimmt hier wirklich. Unter dem Vorzelt, bei guten Wetter auch davor, locken Sitzmöglichkeiten. Das Angebot an den beiden großen Verkaufswagen und den verschiedenen Ständen ist enorm umfangreich, das Widerstehen quasi aussichtslos. Es gibt Pommes und gleich mehrere Varianten Würstchen, serviert im knackigen Brötchen. Dazu alle Circusklassiker. Bei den Getränken darf es gerne auch ein perfekt gemixter Aperol Spritz sein.


Liudmila Vrinceanu, Veronika Faltyny, Sergio Paolo

Die Dame, die uns diesen serviert hat, steht zu Beginn der Vorstellung auf der Orchesterbühne über dem Artisteneingang. Liudmila Vrinceanu gibt die attraktive Sängerin der Show. Von oben herab schmettert sie die Ouvertüre der Show. In maritimen Kostümen mit fluoreszierenden Effekten füllen die Mitglieder von Argendance mit ihrer ersten Choreographie die runde Bühne. Die Damen dürfen dabei auf stilisierten Wellen Platz nehmen. Echtes Wasser befindet sich in der durchsichtigen Halbkugel im Zentrum. In diese taucht Nixe Veronika Faltyny bei ihrer wunderbaren Akrobatik am Luftring immer wieder ein, schwimmt eine Runde oder spritzt mit dem Wasser, sodass unzählige Tropfen effektvoll durch die Luft fliegen. Dazu tanzen ringsum Fontänen. Während des folgenden Umbaus ziehen Fische durchs Publikum und drehen fantasievolle Seepferdchen auf Tretrollern ihre Runden. Mit seinem jugendlichen Charme gewinnt Sergio Paolo die Zuschauer im Handumdrehen für sich. Der Bouncing Jongleur aus Chile ist ein wahrer Wirbelwind. Auf einer Plattform wirft er die Bälle zum Boden und fängt sie geschickt wieder auf. In flottem Tempo geht es eine Treppe hinunter. Auch unter der Platte seines Podests lässt er die Bälle über Bande fliegen, um sie präzise in einem Basketballkorb zu versenken. In die Jonglage mit fünf seiner Requisiten baut er einen Salto ein. Die Gäste im Rund feiern Sergio Paolo.


Laura Urunova, Micael Cadima, Lorenzo Bernardi

Mit heißen Rhythmen und elektrisierenden Tänzen entführen uns Liudmila sowie Argendance nach Südamerika. Spätestens hier merkt man, dass die argentinische Formation aus Profis besteht. Ihre Performance ist ungeheuer intensiv, ausdrucksstark und gekonnt. Mit ihren prächtigen Papageien übernimmt Laura Urunova. Ihre gefiederten Schönheiten beherrschen vielfältige Tricks, die sie gegen eine kleine Belohnung gerne zeigen. Da wird eine Blume überbracht, da wird getanzt oder eine Leiter hinunter geklettert. Zum Finale dürfen die großen Aras ausdauernde Runden unter dem Zeltdach drehen. Als Schlagzeuger vor einem imaginären Drumkit stellt sich Micael Cadima vor. So sorgt der Spaßmacher aus Portugal für erste Lacher. Haute Couture tragen Tänzerinnen, Tänzer und Sänger bei ihrem nächsten Auftritt. Sie entführen uns in eine edle Modenschau. Der Laufsteg wird letztendlich aus beleuchteten Würfeln gebildet und gibt Lorenzo Bernardi den Weg zu seinem Solo vor. Gleich zu Beginn zwängt sich der sympathische Italiener in eine durchsichtige Box. Er beherrscht die Kunst der Kontorsion, welche er mit Handstandakrobatik kombiniert. Auch im Zahnstand hält er seinen Körper im Gleichgewicht und schießt dabei sogar noch mithilfe eines Bogens einen Pfeil zielsicher auf einen Luftballon. Ausgelöst wird der Schuss mit den Füßen.


Dezhou Acrobatic Troupe, Liudmila Vrinceanu, Devin und Davide

Nachdem Micael Cadima eine Flasche auf einem Besenstil balanciert hat, ist alles bereit für den ersten Auftritt der Dezhou Acrobatic Troupe. Dazu gehören vier Artistinnen und sechs Artisten. Jetzt stehen die männlichen Mitglieder im Vordergrund. Elegant und kraftvoll springen sie durch Reifen, die in immer größeren Höhen montiert sind. Dazu tragen sie fantasievolle Kostüme und bringen die Atmosphäre ihrer chinesischen Heimat mit nach Deutschland. Die Damen ergänzen die Höchstleistungen ihrer Partner durch das Schwenken von Flaggen. Eine derartige Darbietung ist für einen hiesigen Tourneecircus eine Rarität, war dort sehr lange nicht mehr zu sehen. Dann entern Piraten und eine Piratenbraut die Bühne. Für diese neue Szene von Tänzern und Sängerin gibt es prachtvolle Fantasiekostüme. Sie bilden die Einstimmung für die Kür an den Strapaten von Devin und Davide, die nach zwei Jahren Pause wieder ins Programm genommen wurde. Dies in neuer Choreographie und mit teilweise neuen Tricks. Die starke Akrobatik der sympathischen Italiener mündet direkt in die Wasserspiele vor der Pause. Dabei darf die Familie Urunov beweisen, welche beeindruckenden Bilder aus Wasser und Licht mit ihrer Anlage möglich sind.


Argendance, Kevin Gruss und Julia Friedrich

Den zweiten Teil eröffnet die Formation Argendance. Jetzt dürfen die vier Frauen und vier Männer zeigen, was ihr eigentliches Genre ist. Bolaspiele und das Schlagen von Trommeln hat man selten so ausdrucksstark, so authentisch gesehen. Das Oktett aus Argentinien legt eine Performance auf die Bühne, die einzigartig ist. Die Künstlerpersönlichkeiten faszinieren mit ihrer Nummer. Für die meisten Gäste unter dem Chapiteau wird diese Show ein ganz neues Erlebnis sein. Ein Zuschauer darf sich danach selbst sportlich betätigen. Dabei steht ihm Micael Cadima fachmännisch zur Seite. Die beiden machen eine Art Streetworkout und batteln sich im Basketball. Auch hier geht es in erster Linie witzig zu, wobei der Herr aus dem Publikum ebenfalls seinen Spaß hat. Ihre Liebesgeschichte in Rot spielen Kevin Gruss und Julia Friedrich vor allen Dingen in der Luft. Die Tücher sind dabei ihr Requisit. Die traumhafte und anspruchsvolle Trickfolge des jungen Paares wird durch Wasserspiele sowie Gesang hervorragend in der Wirkung gesteigert.


Devin de Bianchi, Laura Urunova, Skating Ernestos

Als lebende römische Statue zieht Devin de Bianchi die Blicke auf sich. Dank seines beneidenswerten Körpers fallen ihm die kraftvollen Handstandvariationen auf einer antiken Säule ganz einfach. Zumindest erweckt er erfolgreich diesen Anschein. Ob auf einem Arm oder beiden, der Modellathlet aus Rom macht immer eine glänzende Figur. Dabei plätschern die Fontänen um ihn herum. Ausgelassen geht es zu, wenn Laura Urunova ihre Hunde tanzen lässt. Die Vierbeiner haben sichtlich Spaß bei ihren Sprüngen und Balancen auf Vorder- sowie Hinterbeinen. Sie genießen das lebhafte Miteinander mit ihrer Trainerin und verabschieden sich mit einer Polonaise. Nach einer barocken Szene gehört das Scheinwerferlicht den Skating Ernestos. Mit ihrer Rollschuhakrobatik sind sie nicht die erste Saison beim Zirkus Charles Knie engagiert. Doch es gibt immer wieder Neues. So in dieser Saison die Fahrt im doppelten Genickhang mit Funkenflug. Dafür hat Veronika kleine Feuerwerkskörper an ihren Schuhen montiert. Ansonsten zeigt sie gemeinsam mit Ehemann Paolo ein schönes Repertoire, das nochmal ordentlich Schwung in den Ablauf bringt.


Maverik Niemen, Micael Cadima, Dezhou Acrobatic Troupe

Zum Unternehmen von Sascha Melnjak zurückgekehrt ist Rola-Rola-Profi Maverik Niemen. Versiert wie eh und je stapelt er Walzen und Bretter übereinander, um sich darauf geschickt im Gleichgewicht zu halten. Einen Turm aus sieben Bänkchen meistert er ebenso souverän wie einen mit acht Walzen. Dies mit tollem Kontakt zum Publikum, viel Ausstrahlung und eben Personality. Wenn eine Panne auf die nächste folgt, aber trotzdem alles perfekt läuft, dann hat Micael Cadima alles richtig gemacht. Bei seiner Version von Elton Johns „I'm Still Standing“ scheint das Mikrofon ein Eigenleben zu haben, was den Comedian zu immer neuen Gags treibt. Sogar den Blick auf seine Boxershorts gibt der smarte Portugiese „unfreiwillig“ frei. Eine hinreißend gespielte Nummer, die Cadima die Herzen zufliegen lassen. Zwei bekannte Variante der Diaboloakrobatik kombiniert die Dezhou Acrobatic Troupe in einem Auftritt. Die anmutigen Damen in traditionellen Kostümen mit langen Federn an den Hüten treffen auf die coolen Jungs mit den modernen Outfits. Die beiden Gruppierungen präsentieren ihre Kunst abwechselnd und gemeinsam. So entstehen absolut sehenswerte, innovative Bilder. Immer mehr der Doppelkegel fliegen bestens koordiniert durch die Luft. Es passiert ständig etwas, das Auge kann kaum folgen. Kulissen im hinteren Bereich der Bühne ergänzen das Erlebnis. Diese letzte Nummer setzt ein echtes Ausrufezeichen. Das Finale bleibt optisch nah an der bekannten Ausgestaltung. Neu ist aber der zugehörige Song. Jetzt performt Liudmila Vrinceanu „I'm Coming Out“ von Diana Ross. Sie entsteigt dafür einer silbernen Muschel. Eine Spiegelkugel sowie spiegelnde Elemente auf den Kostümen der Tänzerinnen sorgen für Disko-Feeling. Es wird eine ausgelassene Party, in der sich das Ensemble verabschiedet. Das Publikum applaudiert frenetisch und spendiert spontan Standing Ovations. Wasser und Feuer runden die fulminanten Abschiedsszenen ab.

Es gibt aktuell in Deutschland zwei Tourneecircusse, deren Shows ich im Freundes- und Bekanntenkreis uneingeschränkt empfehle. Die des Zirkus Charles Knie ist eine davon. Warum das so ist, habe ich versucht, in diesem Bericht auszudrücken. Allergrößte Zufriedenheit für Kinder aller Altersklassen ist hier einfach garantiert. Chapeau!

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Text und Fotos: Stefan Gierisch