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Das alles wird stark verpackt
und zu einer ungemein mitreißenden Show inszeniert. Die Musik
ist zumeist sehr modern, das Lichtdesign unterstützt bestens.
Für die Ballettszenen stehen professionelle Tänzerinnen und
Tänzer zur Verfügung. Zudem wurden neue prächtige Kostüme
angeschafft. Der Ablauf ist dank der perfekten Arbeit der
Requisiteure fließend, flotte Kommentare aus dem Off geben dem
Ganzen einen gewissen Rahmen. Das i-Tüpfelchen bilden die
Wasserspiele, die immer wieder für faszinierende Effekte sorgen.
Der wesentliche Kopf dieser Produktion ist einmal mehr Marek
Jama.

Zirkus Charles Knie in
Limburg
Dafür, dass auch diese
Vorstellung bei hohen Außentemperaturen bestens besucht ist,
sorgen nicht nur die Show selbst und die hervorragend
funktionierende Klimaanlage im Chapiteau, sondern ganz besonders
die Menschen, die im Management tätig sind. Mehrheitlich
arbeiten sie im luxuriösen Bürowagen, der Teil der einladenden
Front ist. Denn was nutzt die schönste Vorstellung, wenn sie
nicht professionell vermarktet wird? Die bestens orchestrierten
kaufmännischen Aktivitäten dieses Unternehmens sind mindestens
ebenso wichtig wie die Show. Die Homepage führt das zugehörige
Team auf. Da ist natürlich Direktor Sascha Melnjak, der seinen
Zirkus Charles Knie mit großer Leidenschaft erfolgreich führt.
Hinzu kommen Holger Fischer als Assistent der Geschäftsleitung
sowie Marketing- und Tourneeleiter Thorsten Brandstätter. Als
„Leiter Gastronomie und Merchandising“ wird Mirjan Mavriqi
geführt. Doch es ist allgemein bekannt, dass der langjährigste
Mitarbeiter im Team viele weitere Funktionen hat. Seine Frau
Egla sorgt an der Kasse dafür, dass alle Besucher zum
bestmöglichen Sitzplatz kommen.

Blick ins Chapiteau bei
den Wasserspielen
Der Weg dorthin führt durch die
Gastronomie. Diese lädt zum Verweilen ein. Was anderswo eine
leere Worthülse ist, stimmt hier wirklich. Unter dem Vorzelt,
bei guten Wetter auch davor, locken Sitzmöglichkeiten. Das
Angebot an den beiden großen Verkaufswagen und den verschiedenen
Ständen ist enorm umfangreich, das Widerstehen quasi
aussichtslos. Es gibt Pommes und gleich mehrere Varianten
Würstchen, serviert im knackigen Brötchen. Dazu alle
Circusklassiker. Bei den Getränken darf es gerne auch ein
perfekt gemixter Aperol Spritz sein.
  
Liudmila Vrinceanu,
Veronika Faltyny, Sergio Paolo
Die Dame, die uns diesen serviert
hat, steht zu Beginn der Vorstellung auf der Orchesterbühne über
dem Artisteneingang. Liudmila Vrinceanu gibt die attraktive
Sängerin der Show. Von oben herab schmettert sie die Ouvertüre
der Show. In maritimen Kostümen mit fluoreszierenden Effekten
füllen die Mitglieder von Argendance mit ihrer ersten
Choreographie die runde Bühne. Die Damen dürfen dabei auf
stilisierten Wellen Platz nehmen. Echtes Wasser befindet sich in
der durchsichtigen Halbkugel im Zentrum. In diese taucht Nixe
Veronika Faltyny bei ihrer wunderbaren Akrobatik am Luftring
immer wieder ein, schwimmt eine Runde oder spritzt mit dem
Wasser, sodass unzählige Tropfen effektvoll durch die Luft
fliegen. Dazu tanzen ringsum Fontänen. Während des folgenden
Umbaus ziehen Fische durchs Publikum und drehen fantasievolle
Seepferdchen auf Tretrollern ihre Runden. Mit seinem
jugendlichen Charme gewinnt Sergio Paolo die Zuschauer im
Handumdrehen für sich. Der Bouncing Jongleur aus Chile ist ein
wahrer Wirbelwind. Auf einer Plattform wirft er die Bälle zum
Boden und fängt sie geschickt wieder auf. In flottem Tempo geht
es eine Treppe hinunter. Auch unter der Platte seines Podests
lässt er die Bälle über Bande fliegen, um sie präzise in einem
Basketballkorb zu versenken. In die Jonglage mit fünf seiner
Requisiten baut er einen Salto ein. Die Gäste im Rund feiern
Sergio Paolo.
  
Laura Urunova, Micael
Cadima, Lorenzo Bernardi
Mit heißen Rhythmen und
elektrisierenden Tänzen entführen uns Liudmila sowie Argendance
nach Südamerika. Spätestens hier merkt man, dass die
argentinische Formation aus Profis besteht. Ihre Performance ist
ungeheuer intensiv, ausdrucksstark und gekonnt. Mit ihren
prächtigen Papageien übernimmt Laura Urunova. Ihre gefiederten
Schönheiten beherrschen vielfältige Tricks, die sie gegen eine
kleine Belohnung gerne zeigen. Da wird eine Blume überbracht, da
wird getanzt oder eine Leiter hinunter geklettert. Zum Finale
dürfen die großen Aras ausdauernde Runden unter dem Zeltdach
drehen. Als Schlagzeuger vor einem imaginären Drumkit stellt
sich Micael Cadima vor. So sorgt der Spaßmacher aus Portugal für
erste Lacher. Haute Couture tragen Tänzerinnen, Tänzer und
Sänger bei ihrem nächsten Auftritt. Sie entführen uns in eine
edle Modenschau. Der Laufsteg wird letztendlich aus beleuchteten
Würfeln gebildet und gibt Lorenzo Bernardi den Weg zu seinem
Solo vor. Gleich zu Beginn zwängt sich der sympathische
Italiener in eine durchsichtige Box. Er beherrscht die Kunst der
Kontorsion, welche er mit Handstandakrobatik kombiniert. Auch im
Zahnstand hält er seinen Körper im Gleichgewicht und schießt
dabei sogar noch mithilfe eines Bogens einen Pfeil zielsicher
auf einen Luftballon. Ausgelöst wird der Schuss mit den Füßen.
  
Dezhou Acrobatic Troupe,
Liudmila Vrinceanu, Devin und Davide
Nachdem Micael Cadima eine
Flasche auf einem Besenstil balanciert hat, ist alles bereit für
den ersten Auftritt der Dezhou Acrobatic Troupe. Dazu gehören
vier Artistinnen und sechs Artisten. Jetzt stehen die männlichen
Mitglieder im Vordergrund. Elegant und kraftvoll springen sie
durch Reifen, die in immer größeren Höhen montiert sind. Dazu
tragen sie fantasievolle Kostüme und bringen die Atmosphäre
ihrer chinesischen Heimat mit nach Deutschland. Die Damen
ergänzen die Höchstleistungen ihrer Partner durch das Schwenken
von Flaggen. Eine derartige Darbietung ist für einen hiesigen
Tourneecircus eine Rarität, war dort sehr lange nicht mehr zu
sehen. Dann entern Piraten und eine Piratenbraut die Bühne. Für
diese neue Szene von Tänzern und Sängerin gibt es prachtvolle
Fantasiekostüme. Sie bilden die Einstimmung für die Kür an den
Strapaten von Devin und Davide, die nach zwei Jahren Pause
wieder ins Programm genommen wurde. Dies in neuer Choreographie
und mit teilweise neuen Tricks. Die starke Akrobatik der
sympathischen Italiener mündet direkt in die Wasserspiele vor
der Pause. Dabei darf die Familie Urunov beweisen, welche
beeindruckenden Bilder aus Wasser und Licht mit ihrer Anlage
möglich sind.
 
Argendance, Kevin Gruss
und Julia Friedrich
Den zweiten Teil eröffnet die
Formation Argendance. Jetzt dürfen die vier Frauen und vier
Männer zeigen, was ihr eigentliches Genre ist. Bolaspiele und
das Schlagen von Trommeln hat man selten so ausdrucksstark, so
authentisch gesehen. Das Oktett aus Argentinien legt eine
Performance auf die Bühne, die einzigartig ist. Die
Künstlerpersönlichkeiten faszinieren mit ihrer Nummer. Für die
meisten Gäste unter dem Chapiteau wird diese Show ein ganz neues
Erlebnis sein. Ein Zuschauer darf sich danach selbst sportlich
betätigen. Dabei steht ihm Micael Cadima fachmännisch zur Seite.
Die beiden machen eine Art Streetworkout und batteln sich im
Basketball. Auch hier geht es in erster Linie witzig zu, wobei
der Herr aus dem Publikum ebenfalls seinen Spaß hat. Ihre
Liebesgeschichte in Rot spielen Kevin Gruss und Julia Friedrich
vor allen Dingen in der Luft. Die Tücher sind dabei ihr
Requisit. Die traumhafte und anspruchsvolle Trickfolge des
jungen Paares wird durch Wasserspiele sowie Gesang hervorragend
in der Wirkung gesteigert.
  
Devin de Bianchi, Laura
Urunova, Skating Ernestos
Als lebende römische Statue zieht
Devin de Bianchi die Blicke auf sich. Dank seines
beneidenswerten Körpers fallen ihm die kraftvollen
Handstandvariationen auf einer antiken Säule ganz einfach.
Zumindest erweckt er erfolgreich diesen Anschein. Ob auf einem
Arm oder beiden, der Modellathlet aus Rom macht immer eine
glänzende Figur. Dabei plätschern die Fontänen um ihn herum.
Ausgelassen geht es zu, wenn Laura Urunova ihre Hunde tanzen
lässt. Die Vierbeiner haben sichtlich Spaß bei ihren Sprüngen
und Balancen auf Vorder- sowie Hinterbeinen. Sie genießen das
lebhafte Miteinander mit ihrer Trainerin und verabschieden sich
mit einer Polonaise. Nach einer barocken Szene gehört das
Scheinwerferlicht den Skating Ernestos. Mit ihrer
Rollschuhakrobatik sind sie nicht die erste Saison beim Zirkus
Charles Knie engagiert. Doch es gibt immer wieder Neues. So in
dieser Saison die Fahrt im doppelten Genickhang mit Funkenflug.
Dafür hat Veronika kleine Feuerwerkskörper an ihren Schuhen
montiert. Ansonsten zeigt sie gemeinsam mit Ehemann Paolo ein
schönes Repertoire, das nochmal ordentlich Schwung in den Ablauf
bringt.
  
Maverik Niemen, Micael
Cadima, Dezhou Acrobatic Troupe
Zum Unternehmen von Sascha
Melnjak zurückgekehrt ist Rola-Rola-Profi Maverik Niemen.
Versiert wie eh und je stapelt er Walzen und Bretter
übereinander, um sich darauf geschickt im Gleichgewicht zu
halten. Einen Turm aus sieben Bänkchen meistert er ebenso
souverän wie einen mit acht Walzen. Dies mit tollem Kontakt zum
Publikum, viel Ausstrahlung und eben Personality. Wenn eine
Panne auf die nächste folgt, aber trotzdem alles perfekt läuft,
dann hat Micael Cadima alles richtig gemacht. Bei seiner Version
von Elton Johns „I'm Still Standing“ scheint das Mikrofon ein
Eigenleben zu haben, was den Comedian zu immer neuen Gags
treibt. Sogar den Blick auf seine Boxershorts gibt der smarte
Portugiese „unfreiwillig“ frei. Eine hinreißend gespielte
Nummer, die Cadima die Herzen zufliegen lassen. Zwei bekannte
Variante der Diaboloakrobatik kombiniert die Dezhou Acrobatic
Troupe in einem Auftritt. Die anmutigen Damen in traditionellen
Kostümen mit langen Federn an den Hüten treffen auf die coolen
Jungs mit den modernen Outfits. Die beiden Gruppierungen
präsentieren ihre Kunst abwechselnd und gemeinsam. So entstehen
absolut sehenswerte, innovative Bilder. Immer mehr der
Doppelkegel fliegen bestens koordiniert durch die Luft. Es
passiert ständig etwas, das Auge kann kaum folgen. Kulissen im
hinteren Bereich der Bühne ergänzen das Erlebnis. Diese letzte
Nummer setzt ein echtes Ausrufezeichen. Das Finale bleibt
optisch nah an der bekannten Ausgestaltung. Neu ist aber der
zugehörige Song. Jetzt performt Liudmila Vrinceanu „I'm Coming
Out“ von Diana Ross. Sie entsteigt dafür einer silbernen
Muschel. Eine Spiegelkugel sowie spiegelnde Elemente auf den
Kostümen der Tänzerinnen sorgen für Disko-Feeling. Es wird eine
ausgelassene Party, in der sich das Ensemble verabschiedet. Das
Publikum applaudiert frenetisch und spendiert spontan Standing
Ovations. Wasser und Feuer runden die fulminanten
Abschiedsszenen ab. |